Unten am Hafen


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Samstag, März 10, 2007

...So lebte Susi dann nun 11 Jahre in ihrer schönen Wohnung, bis sie merkte, dass sich etwas veränderte. Es war die Küche, die kleiner geworden sein musste, oder warum passte sie nicht mehr durch die Tür? Und die 5 Stufen waren mittlerweile auch quälend hoch geworden. Susi war sauer. Bei Kaffee und Kuchen sitzend bei ihren lieben Eltern ließ sie ihrem Frust freien lauf. „So eine dämliche Wohnung. Da kann ich keine Sekunde länger wohnen!“ Mama H. schob schnell den zweiten Kuchen nach, bevor die Situation diesbezüglich auszuarten drohte. Papa H. suchte verzweifelt eine Lösung, während Susi sich dank des Nachschubs langsam beruhigte. „Ich habs Prinzessin. Wir besorgen dir eine neue Wohnung. Ich weiß da auch schon eine. Zwei Zimmer, 3. Stock, aber Fahrstuhl. Das wär doch toll.“ Susi kam wieder runter, und nachdem ihr versichert wurde, dass man aus den zwei Zimmern via Durchbruch auch eins machen konnte war sie so zufrieden, dass sie ein Liedchen sang vom Bär der Honig suchte.
Zu diesem Zeitpunkt trat ich dann in das Leben von Susi H. Ein Einzimmerapartment war nämlich genau das, was ich gerade suchte, und so wurden wir uns schnell handelseinig. Das Susi über nen Monat brauchen würde, um den Umzug zu bewerkstelligen, konnte ich zu dem Zeitpunkt ja nicht ahnen. Und da sie dann auch bis einen Tag vor Schlüsselabgabe damit beschäftigt war, übernahm ich die Malerarbeiten lieber selbst, um nicht noch weitere 4 Monate auf meine Wohnung warten zu müssen. Und ich brauchte viel weiße Farbe, denn wie sich herausstellte, hatte Susi die ganzen 11 Jahre wirklich nicht sauber gemacht in der Wohnung, und beim streichen aus Arbeitserleichternden Gründen um die Möbel herumgemalt. Aber auch das schaffte ich, und wohnte etwas über ein Jahr einigermaßen zufrieden in der Bude. Da man sich ja aber auch mal verbessern möchte im Leben, kam dann der Umzug in die neue Wohnung. 2 Zimmer, große Küche, nicht neben der zuknallenden Haus-Eingangstür, und gar nicht soviel teurer, als Susis Vermächtnis. Für Susi war das ein halber Weltuntergang… jetzt nen neuen Mieter finden. Die ganze Arbeit machte sie schon beim Gedanken daran so fertig, dass sie eine Monatsration Lila Pause an nur einem Wochenende verdrückte. Der Tag der Übergabe nahte. Susi standen schon bei dem Gedanken daran Schweißperlen auf der Stirn, am Hals, und an Stellen, die Susi nackt im Badezimmer nicht mal mehr durch den Spiegel einsehen konnte. Zig mal rechnete sie den Weg von der Bushaltestelle zur Wohnung nach. Aber es würden, selbst wenn sie vorne aussteigen würde, immer noch 156 Meter Fußweg anstehen. Zudem 5 Stufen und weitere zehn Schritte zur Wohnungstür. Und das alles gut gerechnet, denn wenn sie auch noch den Dachboden abnehmen müsste, wäre gar nicht auszumalen, was das für ihren Körper bedeuten würde. Diese Anstrengung würde Rache am Mieter bedeuten, da war Susi sich sicher. Wie konnte man ihr so was antun.

Zu abgemachten Termin stand ich also in der Wohnung, und wartete auf alle anderen Verantwortlichen. Dann überkam mich ein komisches Gefühl…Es wankte. Hätte ich ne Kamera und ein Glas Wasser dabei gehabt, hätte ich Jurasic-Park nachverfilmt. Und dann stand Susi vor mir. Schweißgebadet, nach Luft ringend, wie ich nach nem Marathon, und mit dem Funkeln eines Wolfes in den Augen. „hhhhh…Hallo…“ Mehr konnte sie nicht sagen. Ich wusste nicht, ob ich ein Sauerstoffzelt organisieren sollte. Die Abnahme verlief dann anfangs ganz friedlich, bis Susi ein Stück Kleberest an der Tapete entdeckte. „Was ist das denn?“ „Nichts Gravierendes. Nur ein Stück Kleberest. Sie erinnern sich ja noch wie ich die Wohnung übernommen habe, oder?“ Susi entdeckte weitere Fehler. Oder besser sie suchte sie förmlich. Denn diese Anstrengung nahm sie ausnahmsweise gern in Kauf, um sich an diesem ungeheuer langen Fußmarsch rächen zu können. Außerdem machte ihr dieses Gefühl von Macht Spaß. Ein kleines Stück fehlendes Furnier in der Küchenarbeitsplatte war schnell gefunden (War beim mir nie bezahlten Wasserhahnaustausch rausgebrochen). Und und und.... Susi war sehr zufrieden nach der Begehung. Wenn erstmal der Tischler die Küchenplatte gewechselt hat, würde von der Kaution nicht mehr viel über sein. Aus Genugtuung gabs zur Feier des Tages Schwarzwälder Kirschtorte.
Da Susi sich nun rechtlich nicht so gut auskannte, wie mit dem Sortiment von Milka, war sie doch hart getroffen, als ihr Exmieter die Platte einfach selbst erneuert hatte, und nun auch noch die schon gar nicht mehr erhoffte Wasserhahnrechnung einforderte. Das trieb Susi in den Wahnsinn. Und nicht nur das. Bevor es nämlich noch mehr Ärger geben würde, entmachtete Papa H. Susi, und nahm das Zepter lieber selbst in die Hand. Bevor noch weitere Forderungen kommen konnten, machte er sich zügig an die Überweisung der fälligen Beträge. Zu blöd nur, dass er die Nebenkostenabrechnungen nicht mehr findet. Wie wird da der Exmieter drauf reagieren? Kulant?
Susi hat die ganze Geschichte mittlerweile so mitgenommen, dass sie nur noch traurig mit nem Haufen Schokolade um sich herum in der Mitte ihres großen Zimmers sitzt. Und so langsam wird ihr auch schon das „Knopfdrücken“ für den Fahrstuhl zu anstrengend...

zu “Susi H. - Die Abrechnung: Part 2/2”

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